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Wozu das denn jetzt ?!
Tja, das geht halt nicht anders.
Es ist quasi ein Naturgesetz: Wenn das Leben sich zum Lebensspätnachmittag hin neigt, muss man unbedingt in seinem Fachgebiet ein Lehrbuch schreiben.
Irgendwas für die Nachwelt.
Für die Unsterblichkeit.
Hab also schon mal angefangen. Was sein muss muss sein, denn Pflicht ist Pflicht. Es geht bei allem hier, mal so mal so - auch wenn man´s bei manchen erstmal nicht vermuten würde - um Psychotherapie. Im weiteren Sinne. Manchmal im sehr weitem Sinne. Es geht um Kinder und Jugendliche: Die der Gegenwart, aber auch die der Vergangenheit und Zukunft. Um die Nochnichtgeborenen, die Unverhofften, die Erfürchteten, die Ersehnten, die Erträumten (wie werden sollten und wie doch bitte nicht) … Um Entwicklung, Nichtweiterentwicklung, Bloßnichtweiterentwicklung - und die große weite merkwürdige Welt.
Für euch hier schon mal eine Auswahl. Für den Einblick und den Ausblick.
PS:
Ihr kriegt jetzt nur den Beginn des 1. Kapitels.
Aber hier steht eigentlich schon alles drin.
PPS:
Ein Lehrbuch ist gut, wenn’s nicht belehrt. Ein Leerbuch. Es erinnert, an das, was jede:r eigentlich weiß. Weiß fühlt ahnt. Und wenn das viel wird ist grad ein Leerbuch lang.
PPPS:
Manche Texte und Kurzgedichte werden Jugendliche am besten verstehen, die letzten Texte vielleicht. Das verstehen all die, die sich auskennen in stürmischer See. Also doch auch manche Erwachsene.
PPPPS:
Ein Geheimnis bleibt, was Seele eigentlich ist - und ob's überhaupt eine gibt. Niemand kann beweisen, was ein jeder jedoch weiß.
PPPPPS:
Kleine Anmerkung: Gendern ist wichtig, geht aber stilistisch in vielen solcher Texte leider meistens nicht.
PPPPPPS
Ein Geheimnis bleibt, was Seele eigentlich ist und ob's überhaupt eine gibt.
Niemand kann beweisen, was aber jede:r weiß.
PPPPPPPS:
Anders als in einem seriösen Lehrbuch, die man als Normalo kaum verstehen kann, bemühe mich hier um eine allgemeinverständliche Sprache. z.B:
je schwerer der arsch um so schwerer
kriegt er sich hoch
verrückte patient:innen
brauchen verrückte psychiater
denn nur die
kennen sich aus
wer im glaskasten sitzt
muss unbedingt
mit steinen schmeißen
denn dann kann er da endlich raus
bei diesen E-rollern
die wie kampfjets
im slalom durch die fußgängerzone jagen
sollten die fußgänger helme tragen -
die rollerkampfpilot:innen
brauchen das nicht, sie haben ja alles im griff
die klügsten (kinder-) fragen
kriegen die dümmsten antworten
mathelehrer
sack + π
= π - sack
matheschüler
rechnen ist schwer
falsch
- falsch
= richtig
klingt irgendwie richtig
+ irgendwie falsch
früher nutzte man frauen
als kehr-
und care-maschinen
doch diese zeiten
sind nun zum glück ja vorbei
eine oma die eine richtige oma ist
muss mollig sein
denn güte
braucht platz
papagei und mamagei
krakeelen
krächzen
immer dasselbe
das nervt wenn man jung ist
wie viele schritte muss man sich
von sich entfernen
um sich selber zu sehen?
veredelung
wenn einem sein spiegelbild missgefällt
wenn man sich
zu langweilig, zu banal, zu sehr gar nichts ist
schmeißt man den spiegel einfach
hoch in die luft -
und schon sind's ganz viele
wenn man dann wieder hineinschaut
in diese hunderte von spiegeln ist nichts mehr banal
man sieht
in diesem splittermosaik
was man tatsächlich ist:
kubistisch-expressionistische kunst
"wo ist"
die stalking-app
die alles sieht
die also weiß wo ich bin und zudem noch
weiß sie das immer
ich leider weiß das nicht -
bin meiner kontrolle entglitten und muss
mich immer wieder neu mal suchen
identität
ist das im innen oder außen?
gibt es sie dann, eine identität, die es gibt?
oder viele, wie viele blicke gibt?
bin ich wie von 100 spiegeln gesehen?
von 100 zerr-spiegeln zerspiegelt
in 100 filmen
von fremden regisseuren
mit fremden schauspielern
in 100 fremden
verschiedenen drehbüchern und plots
gelebt zu werden statt zu leben?
was bin ich
und
bin ich denn überhaupt?
wenn die seele weh tut
ist's schwer zu sagen wo
alles was lebt
geschichten
gedichte
alles was seele hat
will
kann
muss
reifen können
noch jung bleiben sie erst mal wie geboren doch irgendwann
wollen sie sein wer sie sind.
das wird schwer wenn sie
in stein gemeißelt
in fotos
mit antrainierem lächeln fixiert
starr
leblos sind.
das wird nix
denn gut gemeinte geschichten
werden nicht gut
wenn keiner sie lässt wenn keiner
ihnen statt schwarzer
bunte tinte gibt
denn sie sind klug
sie wissen was gut ist
wissen was sie werden können
können
wollen
müssen
wachsen
reifen –
geschichten gedichte kinderseelen
wenn sie atmen dürfen
schreiben sie sich neu
mit bunter tinte werden sie bunt.
sonst
gehen sie woanders hin
emigrieren
entschwinden
und von ihnen bleibt
nur ein verlassenes leeres blatt
wenn man sich zu gut versteckt
findet man sich vielleicht nicht wieder
ausgerechnet
wenn man sich grad mal brauchen kann
vielleicht ist das leben ein spiegellabyrinth
verwirrt verirrt vor lauter Ichs
die welt
ist reine mathematik
logisch
eindeutig
kurz und knapp:
1 = 1
geheimnisvoll war gestern
zum beispiel auch "ich liebe dich"
ist mathematisch fassbar:
unendlich = unendlich
zumutung
nur mut
die anderen halten mehr aus als du denkst
wenn's keine schlechte laune gäb
müsste man sie erfinden
mit unübersehbar schlechter laune
kann man sagen was man nicht sagen will
bauchgefühl
entsteht aus dem was man isst
vielleicht ist das nicht grad
das gelbe vom ei
transparenz
allüberall authentisch zu sein
ist wie scheißen auf eim gläsernen klo
wer überall auf brüste schaut
wurde als säugling bestimmt nicht gestillt
dieser verhungerte sehnsuchtsvoll-saugende blick
bleibt dann nämlich für immer
PS:
also mädels, habt mitleid
das sind ganz ganz arme
schweine
anklammern kann erwürgen
je halber das wissen desto voller der durchblick
heutzutage
gibt es besonders viele ewiggestrige
neugeborene
sind immigranten
sind plötzlich da
anfangs
herrscht noch willkommenskultur
und dann, allmählich, wird alles normal
und man fragt sich
musste das sein? und warum unbedingt jetzt? und warum bei uns? und was will das hier?! leistet nix und kostet nur, schreit und quengelt, hat hunger, von kacken rülpsen kotzen mal ganz zu schweigen und irgendwann
ist's gar nicht mehr süß
babys spüren das
was eltern - und zwar alle immer mal - denken wenn irgendwann erschöpft genervt übernächtigt,
sie merken was eltern so denken und irgendwann auch leise miteinander beraten
bis eine:r mal die nerven verliert
ehrlich ist und auch mal
an elternwohl und träume denkt
an pläne
von selbstverwirklichung, das leben genießen, traute zweisamkeit oder so
und dann
rutscht es raus und irgendwann kommt's:
"was will das hier?
das soll doch zurück
dahin, wo's herkommt!"
vielfalt -
obs einem passt
oder nicht
gut investierte spende
für fans mancher parteien
eine stammbaum-genanalyse
denn ahnen, so sagen die runen, muss man ehren.
aufschlussreich
wie viele
nichtgermanische migranten-gene
in ihnen sind.
ohne braune brille verblindet
ist's aus all diesen bunten genen
ein origineller spannender mix
wenn eltern wissen, dass bald eine bewertung
von ihren kindern auf ihrem grabstein steht
strengen sie sich vielleicht an
wenigstens 2
von 5 sternen zu kriegen
wenn man kinderfragen
sich selbst nie wieder stellt
ist man wohl
schon ziemlich verkalkt
< Anmerkung
Auch nur die Frage "Wo kommen denn die Kinder her?" können auch die Klügsten nicht beantworten. Sind die wie Meteor:innen vom Himmel gefallen? Von irgendwem zum Absturz gebracht? Freiwillig? Unfreiwillig? Kleiner Patzer? Strafe? Als Challenge? Als gag? Als (gerechte?) Strafe? Oder Geschenk ...
???
Also Rätsel über Rätsel. >
wozu denkt man eigentlich
über sich nach
statt sich einzugestehen: es ist wie es ist
was kostet ein nerv?
wenn etwas nerven kostet
und eine reparatur kostet geld ist die reparatur
vielleicht ein schnäppchen
die erfindung von schließmuskeln war
eine verklemmte idee
den unglückswurm wurmt
sein ganzes langes leben lang
das dauert nun mal denn was ihn wurmt
ist sein ganzes langes leben
murmeltiere
bekommen nur wenig gehör
denn murmeln ist leise
und ein bisschen nuschelig.
bäche murmeln
manchmal wenn ihnen danach ist
doch bächen ist´s völlig egal ob einer zuhört
murmeltieren aber nicht
sagen durch nichts-sagen ist weise
aber unklug
wenn man auch gern beachtung fänd
eine eintagsfliege
hat ein straffes programm
nicht 5
sondern nur 1 tag berlin
mehr tage kosten ihr zu viel
sie spart lieber für ihr alter
auf zu neuen ufern
überlassen wir's mal lieber
den abenteuergeschichten
bücher
kann man ganz schnell
wieder zuklappen, bevor's zu aufregend wird
bevor man einschlafen will
sonst träumt man davon
alpträume
wunschträume
beides gleich schlimm
sitz der seele - so glaubten die alten griechen -
ist das zwerchfell.
sie haben wohl recht
einer gefesselten seele
fällt das atmen schwer
antiqueer = antiquiert
fortschritt der modernen welt
quantencomputer sind angewandte quantenphysik
d.h. alles - ob´s uns passt oder nicht -
ist ein spektrum, nonbinär
mit allem
zwischen 0 und 1
muss man rechnen
vorbildlich
unsere genderneutral-diversen WC
damen
herren
behinderte
wickelraum
wenn mehrere in einer wohnung wohnen
gibt’s für jeden einen raum
manche ohne wand
manche ohne tür
jung und alt
wenn junge alt sind
verlebt bevor das leben zu leben begann
verlebt weil schon zu vieles erlebt
dass das leben erstirbt
bevor es geboren
wenn alte jung sind
wenn sie
nach vielen jahren verlebter jahre dann doch noch
leben
in sich finden
wie ein in stürmen gebrochener baum
wo ein zweig
wieder ergrünt
frühling erlebt
dann
lebt das junge im alten
lebt viel mehr als ein junger der das
so lebendig nie kann
weil er nie starb
tränen
die nicht fließen dürfen
werden zu eis
wenn man sich tief
in die augen schaut
sieht man
bis auf den grund der seele
wenn man noch tiefer schaut auch
in ihren abgrund
Wer das, was jetzt kommt, nicht kennt kann froh sein. Manchen - auch manchen Jugendlichen und mehr als man hofft - geht´s aber so. Manchen auch über lange Zeit. In ihrer Welt sind sie Profis. Meistens notgedrungen. Man kann von ihnen lernen: Das Leben, wenn es lebendig ist, ist immer mal wieder eine Baustelle. Dann braucht es den Hochbau - also für alles über der Erde - und mindestens so wichtig den Tiefbau, für alles in der Tiefe. Das sieht man später nicht. Damit fängt aber alles an. Und damit steht's - oder fällt.
:
zittern
vor lauter leben das leben will und nicht weiß
wie
und ob
das überhaupt je geht
wenn zweifel zu verzweiflung wird
ists an erkenntnis zu viel
das paradies
ist erschreckend
macht angst
verzweiflung
einsamkeit
unerträglich,
umgeben von einer unheimlichen welt
umgeben von glücklichen menschen deren glück
man nicht versteht, sie sprechen
eine fremde, verstörend fremde sprache, so fremd
dass man sie niemals lernen kann
für finsterniswesen
perfekt im unterscheiden
im spektrum zwischen schwarz und dunkelstgrau, für wesen
die das fast unsichtbare sehen, die feinste sensoren haben um gefahren
zu wittern, die
jederzeit
von überall
aus jeder richtung vernichten können,
sie die dort heimat haben verlieren alles
ihrer vertrauten welt ihrer welt
im paradies sind sie hilflos, all ihre kompetenzen sind nichtig, es wird eine angstmachende welt, der alles fehlt, was eigentlich zur welt gehört:
finsternis angst und gefahr, aufatmen vielleicht auch stolz,
zu recht, trotz allem
zu leben und nicht wissen wie lang noch
umgeben von schicksalsgleichen also heimat.
in diesem
für-andere-paradies
immer fühlen zu müssen: in so einer welt
leben zu müssen überlebe ich nicht,
verwirrt
verstört
isoliert
heimatlos verloren
umgeben
von glückseligkeit, die man nicht fühlen kann
zu bunt
zu viel lachen
zu viele blendend-leuchtende augen
des einen himmel ist des anderen hölle
wenn man sich die freiheit gibt
aus diesem leben zu gehen
tut man's - mit einem so befreitem blick - eher nicht
denn was man darf
muss man nicht tun
eine türe die man öffnen kann
kann man auch wieder schließen
windspiel
wenn im spinnennetz
die saiten gespannt sind
sind sie gespannt
wie der hindurchwehende wind auf ihnen spielt
habt mut, ihr schafft das
das leben will leben - und das leben ist stark